Die vierte Wahlperiode des Präsidenten von Island ist bald zu Ende. Das heißt, seine Amtszeit hat 16 Jahre gedauert und keiner seiner Vorgänger ist länger im Amt geblieben als 16 Jahre. Es ist deswegen normal, dass er sich nicht weiter um das Amt bewirbt, obwohl das nicht verboten ist. Das hat er sozusagen in seiner alljährlichen Rede am letzten Neujahrstag angekündigt, aber nicht unmissverständlich. Nach der Rede wurde ein Politologe aus der Uni gefragt, was der Präsident meinte. Der Politologe sagte, dass der Präsident aufhören wollte, aber einen Spalt in der Tür hinterlassen habe.
Als der Präsident gefragt wurde, was er meinte, ob er sich noch einmal um das Amt bewerben wollte oder nicht, wollte er sich nicht darüber äußern. Mit diesem Spalt in der Tür hatten ein paar treue Anhänger des Präsidenten etwa 31.000 Unterschriften in zwei Monaten gesammelt, womit der Präsident aufgefordert wurde, sich noch einmal um das Amt des Präsidenten von Island zu bewerben. Der Präsident brauchte ein paar Tage, um seine Entscheidung zu treffen, nachdem er die Liste von Unterschriften in aller Feierlichkeit entgegen genommen hatte. Als die Überlegungsfrist zu Ende war, kündigte der Präsident am 4. März an, dass er aufgegeben hatte, aufzuhören.
In dieser Handlung des Präsidenten sehen viele ihn als den alten Schlauberger aus der Politik, der er einmal als Abgeordneter und Parteivorsitzender war. Viele waren auch nicht mit seiner Entscheidung zufrieden, aber der Präsident ist in den letzten Jahren wegen seiner Handlungen sehr umstritten geworden und ihm wird vorgeworfen, dieses eigentliches unpolitische Amt des Staatsoberhauptes in ein politisches Machtamt verwandelt zu haben. Der Präsident soll angeblich ein Gegner der neuen Verfassung und des Beitritts Islands in die EU sein.
Einer der ehemaligen Präsidenten hat einmal gesagt, dass das Volk sich seinen Präsidenten aussucht. Das heißt, dass das Volk nach einem ansehnlichen, populären und gut ausgebildeten Kandidaten für das Präsidentenamt sucht und ihn dann auffordert, sich um das Amt zu bewerben. Das war der Fall, als die Isländer im Jahr 1980 zum erste Mal in der Weltgeschichte eine Frau für das Amt des Präsidenten einer Nation wählten. Es scheint so, dass dies auch dieses Mal der Fall sein wird.
Nach vielen Aufforderungen und Wochen der Überlegung hat eine 37-jährige hochschwangere Moderatorin und schon Mutter von fünf Kindern die Herausforderung angenommen. Sie hat sich entschieden, gegen den amtierenden Präsidenten um das Präsidentenamt zu kämpfen. Laut der Verfassung muss ein Kandidat fürs Präsidentenamt zumindest 35 Jahre alt sein, aber viele halten sie für zu jung für ein solches hohes Amt. Sie sagt dagegen, dass die diejenigen, die die Verfassung gemacht haben, anderer Meinung waren.




